Der mit der Börse tanzt

Wie Tesla-Gründer Elon Musk seine Twitter-Reichweite von 46,1 Millionen Followern immer wieder nutzt, um Investitionsentscheidungen zu beeinflussen.

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Am Montag war es mal wieder soweit. Elon Musk öffnete sein Tweet-Deck und schrieb über die Kryptowährung Dogecoin: »Wenn große Dogecoin-Inhaber den größten Teil ihrer Münzen verkaufen, hat das meine volle Unterstützung.« Das größte Problem sei, dass sich der Dogecoin in der Hand einiger weniger Investoren konzentriere. Auf die Nachfrage eines Twitter-Nutzers, ob dies den Wert der Kryptowährung steigen lassen oder schwächen würde, antwortete Musk, dass der Kurs vor einem langfristigen Hoch zunächst fallen werde. Eine selbsterfüllende Prophezeiung, denn Musk trat eine Verkaufswelle los. In den 24 Stunden danach ist der Dogecoin um rund 15 Prozent gefallen.
 
Der internationale Finanzmarkt erlebt einen Wandel. Rasant verabschieden sich Anleger von etablierten Investment-Traditionen und lassen sich von sozialen Strömungen beeinflussen. Die klassische Kaufempfehlung des Sparkassenberaters und der Fondsmanager verliert an Bedeutung. Influencer – Menschen mit großem Namen und einer persönlichen Gefolgschaft auf Twitter und anderswo - füllen diese Lücke. Und Elon Musk ist mittendrin. Kleinanleger folgen seinen Anweisungen und genießen als Kollektiv eine so nicht gekannte Marktmacht. Das Influencer-Phänomen, welches in der Mode- und Kosmetikindustrie, aber auch bei den Medien zur Veränderung der Geschäftsmodelle führte, erlebt nun auch auf den internationalen Finanzmärkten seinen Durchbruch.
 So nutzt Elon Musk seine Twitter-Reichweite von 46,1 Millionen Followern, um Investitionsentscheidungen zu beeinflussen. In mindestens drei Fällen hat sich sein Einfluss bemerkbar gemacht:
 
  • Bereits 2018 erntete der Unternehmer Kritik, als er durch sein Verhalten auf Twitter den Kurs seines eigenen Unternehmens Tesla beeinflusste. In einem Post deutete Musk an, den Elektroautobauer von der Börse zu nehmen, sobald dessen Aktie einen Wert von 420 US-Dollar erreichen würde. Darauf folgte ein rasanter Kursanstieg – und Musks erzwungener Rückzug als Verwaltungsratsvorsitzender seines Unternehmens. 
  • Besonderes Interesse zeigt Elon Musk immer wieder an Kryptowährungen. Am 29. Januar änderte der Tesla-Chef unerwartet die Beschreibung seines Twitter-Accounts zu „#Bitcoin” – die Folge war ein Preisanstieg der Kryptowährung von mehr als 13 Prozent innerhalb einer Stunde. Zuletzt verkündete Musk außerdem, dass der Tesla-Konzern 1,5 Milliarden US-Dollar in die Kryptowährung investiert habe und trieb somit den Wert eines Bitcoins auf ein Allzeithoch von kurzzeitig mehr als 44.000 US-Dollar.
  • Auch bei der Spekulation auf den US-Computerspielehersteller GameStop mischte Musk mit. Antreiber waren junge Kleinanleger, die sich auf der Internetplattform Wallstreetbets auf Reddit organisiert hatten. Musk unterstützte sie: „Gamestonk!!” twitterte er und verlinkte auf das Forum der rebellischen Jungaktionäre – der Kursanstieg setzte sich beschleunigt fort.

    Auch in den folgenden Tagen unterstütze Musk die Kleinanleger. Auf Twitter wetterte er gegen die großen Hedgefonds und die von ihnen getätigten Leerverkäufe: „Du kannst keine Häuser verkaufen, die du nicht besitzt. Du kannst keine Autos verkaufen, die du ni.cht besitzt, aber man *kann* Aktien verkaufen, die man nicht besitzt!? Das ist Blödsinn – Leerverkäufe sind Betrug. Legal nur aus rudimentären Gründen” (Tweet vom 28. Januar 2021)